Istanbul
Istanbul (als Byzanz 667 v. Chr. gegründet) ist die mythischste Stadt der Türkei, zugleich als Brücke und als Grenze gedacht, dort, wo Europa und Asien einander über den Bosporus hinweg gegenüberstehen. Bei der Ankunft wirkt sie dicht bewohnt statt inszeniert: Kuppeln und Minarette halten die Skyline, Fähren vernähen die Ufer, und steile Straßen gleiten vom imperialen Stein hinab zu Wohnblocks, Werkstätten und Märkten.
Als Konstantinopel und später osmanische Hauptstadt lernte sie, Macht aufzunehmen, ohne sich in eine Vitrine zu verwandeln; byzantinische und osmanische Monumente bestimmen noch immer die visuelle Grammatik der Stadt, doch sie stehen in einem Ort, der in Bewegung bleibt. Heute ist sie weiterhin der wirtschaftliche Motor des Landes — mit ständigem Bauen, dichtem Verkehr und steigenden Kosten neben einer eigensinnigen Vitalität auf Straßenebene — und mit einer Esskultur, die weniger auf Zeremonie als auf Teilen beruht: Meze, Gegrilltes und Süßes, hineingezogen in lange, gesellige Abende.