San Sebastiano
San Sebastiano, verborgen im venezianischen Dorsoduro (als Kirche im 16. Jh. erbaut), ist weniger ein Wahrzeichen als eine bewusst herbeigeführte Verlangsamung des venezianischen Tempos. Der Weg dorthin wirkt bescheiden und leicht abseits der geschäftigsten Strömungen der Stadt; doch im Inneren öffnet sich ein Raum aus hellem Stein, maßvollen Proportionen und gedämpftem Licht, der eher bewohnt als inszeniert erscheint – als hätte sich das äußere Spektakel der Republik für einen Moment nach innen gewandt.
Seine Identität ist untrennbar mit Paolo Veronese verbunden, dessen Fresken und Gemälde Wände und Decken zu einem einzigen, selbstbewussten Ensemble fügen, in dem Farbe und Perspektive mit der Architektur arbeiten, statt mit ihr zu konkurrieren. Die sakrale Erzählung wird zur Aussage über Venedigs einstige Verbindung von Glauben, Patronat und künstlerischem Anspruch – greifbar im Maßstab eines Raumes. Auch heute, bei deutlich ruhigerem Besucherandrang als in den großen „Schlagzeilen“-Kirchen, belohnt San Sebastiano das lange Hinsehen; und Veroneses eigenes Grab schärft das Gefühl, dass dies nicht nur ein dekoriertes Interieur ist, sondern eine vollendete Welt.