Isola Madre
Isola Madre (seit dem 16. Jh. als Rückzugsort der Borromeo gestaltet) gilt oft als die zurückhaltendste der Borromäischen Inseln im Lago Maggiore – weniger theatralisch als ihre Nachbarn, eher wie eine kultivierte Pause, leicht vom Ufer abgerückt. Die Annäherung wirkt bewusst leise: ein bescheidenes Palazzo, maßvolle Terrassen und ein gedämpftes Seelicht lassen die Insel wie Privatbesitz erscheinen, der zur Atmosphäre geworden ist – ein Ort, an dem Architektur und Bepflanzung im Gehtempo aufgenommen werden sollen.
Ihre Identität speist sich weiterhin aus aristokratischen Vorstellungen von Muße, in denen Sammeln und Zeigen ebenso Formen von Ordnung wie von Vergnügen waren. Die Gärten, mit einer englisch geprägten Sensibilität, nutzen das milde Seeklima, um Palmen, Zitrusgewächse und andere Exoten zu halten, ohne die Insel ins Spektakel zu treiben; der Eindruck ist kontrollierte Fülle statt Drama. Innen wirken Schlafräume und Arbeitszimmer wie bewohnte Galerien der Herkunft, und das Miniatur-Marionettentheater – ornamental, verspielt, leicht unheimlich – deutet auf eine Kultur, in der Eleganz auch Aufführung einschloss und Kunstgriff ebenso sorgfältig kuratiert wurde wie der Blick jenseits der Fenster.