Havanna
Havanna (im 16. Jh. von den Spaniern gegründet) ist Kubas symbolische Bühne — im Ausland romantisiert, zu Hause umstritten und am besten auf Straßenniveau zu verstehen. Bei der Ankunft begegnet man einer Stadt aus Meeresluft und abgenutzter Eleganz: Arkadengänge entlang der Gehwege, pastellfarbene Fassaden und die lange Kurve des Malecón, wo der Abend in Gespräche, Musik und Wetter übergeht. Sie wirkt zugleich theatralisch und intim, eine Hauptstadt, deren öffentliches Leben ganz selbstverständlich in Türöffnungen, auf Plätze und bis an den Wasserrand überläuft.
Vom Imperium und vom Hafenhandel gebaut und später durch den bleibenden Abdruck der Revolution umgeformt, trägt Havanna Geschichte als etwas Gelebtes statt Archiviertes — sichtbar in Befestigungen, städtischen Museen und in der stetigen Präsenz José Martí s im bürgerlichen Vorstellungsraum der Stadt. Heute stehen Tourismus und staatlich geprägte Realitäten nebeneinander und erzeugen eine tägliche Improvisation, die die Bewohner mit Humor und Widerstandskraft meistern. Spanisch gibt den Takt vor, durchzogen von afrokubanischen Rhythmen, und das Essen der Stadt zielt auf geteilten Trost — Reis, Bohnen und langsam geschmorte Grundgerichte —, weniger auf Schau als darauf, den Tag zusammenzuhalten.